Ein fünftes G für Wörgl

28. Februar 2020
Daniel Feichtner
Drei, Ematric GmbH

„Drahtlos“ ist Trumpf, zumindest, bei Datenübertragung. Bislang hinken Funknetzwerke aber in vielen Belangen hinter ihren verkabelten Pendants her. Doch die Technologie entwickelt sich rasant weiter.

In Wörgl hat die Zukunft bereits begonnen:

Seit August 2019 betreibt Drei dort ein Mobilfunknetz der fünften Generation – kurz 5G –, das die Stadt als erste Österreichs flächendeckend mit dem Standard versorgt. „Im Stadtgebiet stellen wir damit High-Speed-Internet mit Übertragungsraten von mehr als einem Gigabit pro Sekunde zur Verfügung“, erklärt Tom Tesch, Pressesprecher des Mobilfunkanbieters. Damit übertrifft die Technologie ihren Vorgänger 4G bereits jetzt um das Zehnfache.

Doch 5G kann deutlich mehr:

Verwaltet eine 4G-Zelle maximal 200 Geräte parallel, gelingt 5G das mit rund einer Million pro Netzbereich. Dabei soll bis zu 90 Prozent weniger Strom verbraucht werden, während Verzögerungen auf unter eine Millisekunde schrumpfen, was Signalübertragung nahezu in Echtzeit ermöglicht.

Wörgl ist Pilotregion in der Drei gemeinsam mit der Stadtverwaltung und Unternehmen

Anwendungsbereiche für 5G entwickelt. Denn: „Auch wenn die meisten unsere Kunden den Standard aktuell primär für Highspeed-Internet nutzen, wird er noch weit mehr ermöglichen“, ist Tesch überzeugt. „Die Echtzeit-Übertragung von großen Datenmengen wird für Virtual-Reality ebenso essenziell sein wie für autonomen Verkehr oder Telechirurgie, bei der Mediziner, mit ferngesteuerten Instrumenten operieren.“

Die Schleusen öffnen sich

„5G ist eine Schlüsseltechnologie“, ist Rainer Haag, Geschäftsführer von ematric, überzeugt. Das Landecker Unternehmen bietet maßgeschneiderte Automatisierungslösungen von der Konzeption bis zur Installation und darüber hinaus– und ist damit an vorderster Front der Digitalisierung. 5G „tut“ dabei selbst nichts, wie Haag erklärt: „Vielmehr bildet es das Fundament, auf dem neue Technologien und Anwendungen aufbauen können.“

Daten überall

Ematric ist in der Automobil- und Aeronautik-Industrie groß geworden – den Wiegen der Industrie 4.0. Heute zählen Unternehmen aller Sparten und Größen zu ihren Kunden: „Digitalisierung ist allgegenwärtig“, sagt Haag. So fallen überall Daten an: von der Produktionsstraße beim Chiphersteller bis zur Supermarktkühltruhe. Diese Datenflut dämmt nicht zuletzt die IT-Infrastruktur ein. „Verkabelte Netzwerke sind teuer und unflexibel. Funk hat geringere Übertragungsraten und höhere Latenz – die Verzögerungen, zwischen Senden und Eintreffen des Signals – und benötigt viel Energie.“

Neue Möglichkeiten

Mit 5G dürfte sich vieles ändern: Die neue Generation sieht bis zu hundertfach höhere Übertragungsraten als 4G vor. Das überträfe auch den aktuellen Gigabit-Standard in Kabelnetzwerken um den Faktor zehn. Dem Abschöpfen gewaltiger Datenmengen steht damit nichts mehr im Wege – und das dank geringer Latenz nahzu augenblicklich. „Gebündelt mit Machine Learning oder gar Quantencomputing könnte das Optimierung und Abstimmung von Produktionsprozessen in Echtzeit ermöglichen“, vermutet Haag. „Und dank der WLAN überlegenen Reichweite sind mit 5G vernetzte Anlagen auch weniger abhängig von ihrem Standort.“

Neue Herausforderungen

Bis das eintrifft, wird noch einige Zeit vergehen. Nicht nur die 5G-Infrastruktur muss wachsen, auch kompatible Geräte fehlen – noch. Doch das sei kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen, sagt Haag: „Die neuen Möglichkeiten bringen viele Herausforderungen.“ Zum einen gelte es, Technologien zu entwickeln, die 5G nutzen. „Zum anderen werden nicht nur die Ansprüche an alle, die Netzwerke entwickeln, einrichten und warten drastisch steigen, sondern auch der Bedarf an solchen Fachkräften. Wir wären also gut beraten, heute dafür zu sorgen, dass wir so bald wie möglich die Spezialisten von morgen zur Verfügung haben.“

 

  • BildTom-Tesch-FC-Drei

    Tom Tesch, Pressesprecher Drei

  • Rainer-Haag

    Rainer Haag, Geschäftsführer ematric

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